Leipziger Messe

Keine andere deutsche Stadt wurde so durch Märkte und Messen geprägt wie Leipzig. Und umgekehrt. Die Leipziger Messe ist das Messe- und Ausstellungsgelände von Leipzig, das mit fast 850 Jahren zu den ältesten Messestandorten der Welt zählt. www.leipziger-messe.de

Leipziger Messe
Leipziger Messe

Das heutige Unternehmen Leipziger Messe GmbH wurde 1991 gegründet. Es befindet sich seit 1996 auf einem neuen Gelände im Norden Leipzigs, im Stadtteil Seehausen. Die Glashalle des neuen Messegeländes erhielt 2000 den „Outstanding Structure Award“ der IABSE. Die Leipziger Messe GmbH betreibt das Kongresszentrum Congress Center Leipzig (CCL). Sie hat fünf Tochtergesellschaften und unterhält 23 Auslandsvertretungen. Im Jahr 2013 veranstaltete das Unternehmen 37 Messen, auf dem Messegelände fanden 97 Kongresse und 34 weitere Veranstaltungen statt. Insgesamt kamen 1,2 Millionen Besucher. Die Leipziger Messe GmbH ist mit dem internationalen Green-Globe-Siegel für nachhaltiges Handeln zertifiziert. Gesellschafter sind der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig zu jeweils 50 Prozent.

Messegelände…

Auf dem Gelände der Leipziger Messe befinden sich fünf miteinander verbundene Ausstellungshallen von jeweils 20.500 Quadratmetern Fläche, eine zentrale Glashalle und das Kongresszentrum Congress Center Leipzig. Das Freigelände verfügt über eine Ausstellungsfläche von 70.000 Quadratmetern. Jährlich finden circa 40 Messen, 100 Kongresse und andere Veranstaltungen mit insgesamt 10.000 Ausstellern und 1,3 Millionen Besuchen statt.

…Congress Center Leipzig

Auf dem Gelände der Leipziger Messe befindet sich das CCL Congress Center Leipzig. Das CCL ist Ort vieler Kongresse aus den unterschiedlichsten Bereichen. Das CCL
arbeitet unter dem Dach der Leipziger Messe, ist jedoch als eigenständige Geschäftseinheit aktiv. Zu den Referenzen zählen unter anderem Großveranstaltungen verschiedener Medizinbereiche, der Mittelständische Unternehmertag MUT, Parteitage und Veranstaltungen mit begleitender Ausstellung. Das CCL wurde zum vom britischen Fachmagazin „Business Destinations“ zum „Besten Kongresszentrum Europas“ gekürt. Das CCL hat insgesamt 23 Tagungsräume, darunter ein großer Saal mit einer Kapazität von 3.700 Plätzen bei Reihenbestuhlung sowie diverse Mehrzweckflächen.

…Glashalle

Die Glashalle der Leipziger Messe ist 238 Meter lang, 80 Meter breit und 28 Meter hoch. Sie entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner und dem Architekten Ian Ritchie. Die Bogenkonstruktion aus Stahl und Glas wird mit dem „Crystal Palace“ von Joseph Paxton für die 1. Weltausstellung 1851 in London verglichen.

…Kunst auf der Leipziger Messe

Die Leipziger Messe beherbergt zeitgenössische Kunstwerke. Unter den internationalen Künstlern sind mehrere bekannte Vertreter der Konzeptkunst. Die Kunstwerke wurden für das Leipziger Messegelände entwickelt. Sie stammen unter anderem von Angela Bulloch, Daniel Buren, Peter Fischli und David Weiss, Günther Förg, Isa Genzken, Dan Graham, Jenny Holzer, Martin Kippenberger, Sol LeWitt, Thomas Locher, Olaf Nicolai, Jorge Pardo, Rirkrit Tiravanija, Niele Toroni und Rosemarie Trockel. 16 Werke sind in den Gebäuden sowie auf dem Freigelände öffentlich zugänglich.

Bedeutende Veranstaltungen…

…Leipziger Buchmesse

Die jährlich im März stattfindende Leipziger Buchmesse ist nach der Frankfurter Buchmesse die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands. Sie gehört zu den bekanntesten Veranstaltungen der Leipziger Messe. Gegründet im 17. Jh. entwickelte sie sich zum größten Branchentreff des deutschsprachigen Raumes. Diesen Status behielt sie bis zum Zweiten Weltkrieg, musste ihn danach allerdings an die Frankfurter Buchmesse abgeben. 2014 fand zum ersten Mal parallel zur Leipziger Buchmesse die Manga-Comic-Convention statt. Es kamen 175.000 Besucher.

…Auto Mobil International

Die Auto Mobil International (AMI) ist die zweitgrößte Automesse Deutschlands (nach der IAA in Frankfurt). Sie findet alle zwei Jahre in Kombination mit der AMITEC, einer Messe für Zulieferer und Zubehör, statt. Zu den Besonderheiten der AMI gehört das nach eigenen Angaben das Angebot an Probefahrtmöglichkeiten im Straßenverkehr. Neben Besuchern aus Deutschland kommt ebenso Publikum aus Polen und Tschechien.

…modell-hobby-spiel

Die „modell-hobby-spiel“ ist die nach eigenen Angaben größte Besuchermesse ihrer Art in Deutschland. Auf ihr versammeln sich jährlich Anfang Oktober die größten Unternehmen der Spielwarenindustrie und des Modellbaus. Die Messe Spiele- und Modellbaumesse entstand 1996 und zieht jährlich rund 100.000 Besucher an.

…Haus-Garten-Freizeit

Die „Haus-Garten-Freizeit“ ist eine Verbraucherausstellung und wird seit 1991 durchgeführt. In den letzten Jahren fand sie gleichzeitig mit der „Beach & Boot“ und der Mitteldeutschen Handwerksmesse statt. 2014 kamen 182.000 Besucher zu HAUS-GARTEN-FREIZEIT und Mitteldeutscher Handwerkmesse.

…intec + Zuliefermesse Z

Die Industriemesse „intec“, die in Kombination mit der Zuliefermesse „Z“ stattfindet, ist eine internationale Messe für Industrietechnik, Maschinenbau, Komponenten und die Zulieferindustrie.

…Touristik & Caravaning International Leipzig

Die „Touristik und Caravaning“ ist eine Messe für Reisen, Urlaub und Hotel sowie Caravaning. Die Reisemesse ist die größte Reisemesse in den neuen Bundesländern. In den letzten Jahren fand sie gleichzeitig mit der Messe „Beach & Boot“ statt. …OTWorld (Orthopädie + Reha-Technik). Die OTWorld (vormals „Orthopädie + Reha-Technik“) ist die alle zwei Jahre stattfindende Weltleitmesse für Orthopädie und Reha-Technik mit dazugehörigem Weltkongress. 2010 wurde sie in Kooperation mit der Jahrestagung der International Society for Prosthetics and Orthotics (ISPO) abgehalten.

Verkehrsanbindung…

…Straße

Das neue Messegelände liegt direkt an der Bundesautobahn 14 und der Bundesstraße 2. Etwa zehn Autominuten entfernt sind die A 9 am Schkeuditzer Kreuz und die A 38 am Autobahndreieck Parthenaue.

…Bahn

Am Messebahnhof Leipzig Messe halten Regionalzüge der Deutschen Bahn und der FlughafenExpress, der den Leipziger Hauptbahnhof mit dem Flughafen Leipzig/Halle bzw. dem Hauptbahnhof Halle verbindet. Seit Dezember 2013 halten am Messebahnhof Züge der S-Bahn-Linien S1, S2, S5 und S5X.

…Straßenbahn

Das neue Messegelände ist an das Straßenbahnnetz der Leipziger Verkehrsbetriebe angebunden, es hält die Linie 16; zu großen Messen zusätzlich die Verstärkerlinie 16E.

Geschichte…

…Von der Begründung der Messen bis zum 19. Jahrhundert

Die Stadt Leipzig lag an der Kreuzung der Handelswege Via Regia (die von Paris nach Nowgorod führte) und der Via Imperii (von Bergen nach Rom). Diese Lage begünstigte den Handel, insbesondere den Fernhandel. Bereits aus dem 12. Jahrhundert gibt es einen schriftlichen Beleg, dass „Jahrmärkte in Lipz stattfanden.“ Als Geburtsurkunde von Stadt und Messe gilt der „Stadtbrief“ von Markgraf Otto dem Reichen, der von Historikern auf die Zeit zwischen 1156 und 1170 datiert wird. „Mit der Verleihung des Stadtbriefes, einer ungewöhnlich Pergamenthandschrift mit 33 Zeilen lateinischem Text, wurde bestimmt, dass im Umkreis von einer Meile (15 Kilometern) kein für die Stadt abträglicher Jahrmarkt abgehalten werden durfte. Damit erfolgte erstmals eine schriftliche Erwähnung und rechtliche Sicherung der Leipziger Messe.“ Von der Leipziger Messe wird „um 1165“ als Gründungsjahr angegeben. Im Jahre 1268 stellte Markgraf Dietrich von Landsberg das Geleitschutzprivileg aus, was für die Entwicklung des Fernhandels von eminenter Bedeutung war: „Allen Kaufleuten, die in Leipzig Handel treiben wollen oder Warenlager besitzen, wird absoluter Schutz gewährt, auch wenn der Markgraf mit ihren Herren in Fehde liegt!“ In Leipzig hatten sich zwei jährliche Märkte etabliert zu Jubilate und Michaelis. Mit dem Neujahrsmarkt wurde Leipzig 1458 durch Kurfürst Friedrich II. ein dritter Markt verliehen. Dieser wurde erstmals zu Neujahr 1459 abgehalten. Im Jahre 1497 bestätigte der römisch-deutsche König Maximilian I. die drei Leipziger Jahrmärkte und stellte sie „unter den Schutz des Reiches.“ Mit der in Worms ausgestellten Urkunde vom 20. Juli 1497 „… krönte Maximilian I. eine bedeutsame Etappe Leipziger Handelsgeschichte und schuf gleichzeitig alle Voraussetzungen für eine aufsehenerregende Entwicklung der Stadt zur mitteldeutschen Handelsmetropole.“ Dem Leipziger Rat war der Privilegtext 178 Gulden wert. Dieses große Privileg „verbot alle Neugründungen in den Bistümern Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Merseburg und Naumburg. Mit der Zahlung von 50 Mark „lötigen Goldes“ sollten Zuwiderhandelnde bestraft werden.“ Doch Streit um sich etablierende Märkte in Erfurt ließ die Leipziger Ratsherren erneut aktiv werden:

Mit einer in Konstanz unterzeichneten Pergamenturkunde vom 23. Juni 1507 besiegelte Maximilian I. ein zweites „Privilegium“. Dieses Dokument, in dem erstmalig der Begriff Messe auftaucht, geht weit über die Festlegungen von 1497 hinaus: Es bestätigt ausdrücklich das Niederlage- und Stapelrecht, verbietet die Errichtung und Abhaltung von Jahrmärkten im Umkreis von 15 Meilen (und trifft damit neben Magdeburg nun auch Erfurt) und erweitert den Schutz für die Besucher der Leipziger Märkte. Die erwähnten 15 Meilen entsprechen etwa 115 Kilometern. Außerdem bestimmte Maximilian I. mit seiner Unterschrift unter das zweite Reichsmesseprivileg, dass alle „Reichsstraßen für Warenzüge von und nach Leipzig offen gehalten werden“ sollen. Zudem wurde das Beschlagnahmen von „Meßgütern“ als Landfriedensbruch gebrandmarkt und mit der Reichsacht geahndet. Auf der Grundlage dieses Privilegs entwickelte sich Leipzig durch Anbahnung eigener Handelsverbindungen nach allen Richtungen im Verlaufe der Jahrhunderte kontinuierlich zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas.

…Übergang zur Mustermesse

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts geriet die Warenmesse der klassischen Art in Platznot. Begünstigt durch die Entwicklung der Eisenbahn wuchsen die Warenströme nach Leipzig. Mit dem Bau der Ferneisenbahn ab 1839 konnten große Warenmengen schneller und deutlich billiger transportiert werden. Dadurch kam Leipzig an die Grenzen seiner Lagerkapazitäten. Die industrielle Produktion mit großen Stückzahlen bei gleich bleibender Qualität machte es nicht mehr nötig, die gesamte Handelsware mitzubringen. Händler reisten zunehmend mit Produktmustern an. Während sich die Beschickung der Leipziger Messen mit Mustern langsam steigerte, wurden auch besorgniserregende Tendenzen beobachtet. Einzelne Firmen sandten Vertreter mit Mustern direkt zu den Kunden, so dass sich ein Messebesuch erübrigte. Leipzig passte sich den neuen Bedingungen an: Im Jahre 1895 erfolgte die Umstellung von der Warenmesse zur weltweit ersten Mustermesse. Eine Bekanntmachung vom 2. Juni 1894, unterzeichnet von Oberbürgermeister Otto Georgi, deklarierte die Mustermesse ab 1895 zur offiziellen Einrichtung. Zwischen 1894 und 1914 brachten die Branchen der Gebrauchs- und Luxuswaren der Leipziger Mustermesse einen gewaltigen Aufschwung.“ Mit dem Wechsel zur Mustermesse wandelte sich gleichsam das Leipziger Stadtbild. Die prächtigen Durchhöfe und -häuser der Renaissance und des Barocks – gebaut,
um Waren schnell verladen zu können, ohne den Wagen wenden zu müssen – erfüllten die neuen Anforderungen nicht mehr. Statt im Kaufmannshof wie zu Zeiten der Warenmesse wurde nun im „Messepalast“ gehandelt. Dem 1904 vollendeten Städtischen Kaufhaus folgten zahlreiche weitere Messehäuser, welche bis heute das Bild der Leipziger Innenstadt prägen. Von nun an wurden die Waren nicht mehr direkt vor Ort verkauft. Durch die Präsentation von Mustern wurden Handelsverträge geschlossen, auf deren Grundlage dann der Transport der Ware in vorher vereinbarter Menge und Qualität und zu vereinbarten Konditionen vom Hersteller zum Kunden erfolgte. „Die Mustermesse ermöglichte das größte Geschäft mit den geringsten Mitteln, in der kürzesten Zeit und auf dem engsten Raum, wie Edouard Herriot befand, 1912 französischer Parlamentspräsident.“  Doch die Konkurrenz wuchs, und der Erste Weltkrieg hatte die Messe isoliert. 1916 wurde mit der Gründung des „Meßamtes für die Mustermessen“ eine neue Fachbehörde etabliert, die 1917 ihre Arbeit aufnahm. Das Meßamt markierte „für den Messestandort Leipzig den Schlusspunkt der langgestreckten Übergangsphase von der Waren- zur Mustermesse.“ Die „an der Messe beteiligte Wirtschaft“ erlangte durch ihre Branchenverbände maßgeblichen Einfluss. Noch während der Erste Weltkrieg tobte, entwarf der Künstler Erich Gruner für das neue Amt ein Markenzeichen: Das Logo der Leipziger Messe mit zwei übereinandergestellten M. Zur Herbstmesse 1917 hatte das Doppel-M, Abkürzung für Mustermesse, Premiere.

…Die Leipziger Messe zwischen 1918 und 1945

Georg Baus wurde von Erich Gruner beauftragt, 1921 ein Corporate Design für die Messe zu entwerfen, eines der ersten weltweit. Aus Platzmangel in der Innenstadt und der immer größeren Zahl technischer Güter, Werkzeuge sowie Maschinen, die in Leipzig gezeigt wurden, eröffnete ab 1920 die Technische Messe in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals. In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre hatte die Leipziger Messe Weltbedeutung. Im Jahr 1929 wurde in der Innenstadt das von Alfred Liebig gebaute Messehaus Petershof eröffnet. Hier waren in den Folgejahren die Spielzeughersteller im Frühjahr und Herbst versammelt. Auf der Frühjahrsmesse 1935 wurde mit dem Trix Express die erste betriebssichere Modelleisenbahn in der damaligen Baugröße 00 (heute Baugröße H0) vorgestellt. Der Mitbewerber Märklin folgte im Herbst des Jahres mit einer eigenen Bahn. Beide Hersteller stellten auf den Leipziger Messen weitere aufsehenerregende Entwicklungen vor und sorgten erfolgreich für die Verbreitung der Modellbahnen. Unmittelbar nach Ende der Leipziger Herbstmesse am 31. August 1939 begann am kommenden Morgen der Zweite Weltkrieg.

…Messen nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam auch die Leipziger Messe vorerst zum Erliegen. Der langsame Neubeginn in den Nachkriegsjahren hatte anfangs nur den Charakter von Kleinhandel. Am 8. Mai 1946 öffnete die erste Leipziger Messe nach dem Krieg, die von den Veranstaltern Friedensmesse genannt wurde, im Ring-Messehaus. Man wollte Normalität und Leistungskraft demonstrieren. Auch westdeutsche Aussteller waren vertreten. Ab den 1950er-Jahren wurde die Hannovermesse zum größten Konkurrenten. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Leipziger Messe allmählich zu einem wichtigen Zentrum im Ost-West-Handel. Sie wurde von der SED-Führung als wirtschaftliches und politisches Schaufenster der DDR genutzt. Alljährlich fanden nun eine Frühjahrsmesse und eine Herbstmesse in Leipzig mit Ausstellern aus Ost und West statt und bot der DDR vor allem bis 1970 die Möglichkeit, ihre technische Leistungsfähigkeit mit dem „Weltniveau“ zu vergleichen. Ab den 1960er-Jahren pendelten sich die Besucherzahlen um 600.000 ein, wobei ca. 90 % der Besucher aus der DDR kamen, 7–8 % aus westlichen Ländern (größtenteils aus der Bundesrepublik Deutschland). Die Zahl der Aussteller lag in den 1950er- und 1960er-Jahren um die 10.000, die bis zu 300.000 m² Ausstellungsfläche nutzten. Später hielten sich westliche und osteuropäische Aussteller in der Präsentation ihrer neuesten und fortgeschrittensten Produkte zurück. Die zentrale Funktion im West-Ost-Geschäft blieb jedoch unangetastet. Ab 1964 war das Leipziger Messemännchen eine populäre Werbefigur. Der britische Historiker Timothy Garton Ash deutete 1981 die Beliebtheit der Messe so, die Besucher wollten „wenigstens mit den Augen...von den verbotenen Früchten des Kapitalismus...naschen.“

…Fachmessen nach 1990

Nach dem Ende der DDR und des Kalten Krieges fielen auch die speziellen Bedingungen weg, unter denen die Leipziger Messe ihre besondere Stellung als Ost-West-Plattform entfalten konnte. Innerhalb kurzer Zeit musste sich die Messe völlig veränderten Bedingungen anpassen. 1991 wurde die Leipziger Messe GmbH gegründet. Gesellschafter sind zu je 50 Prozent der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Die bisherigen Universalmessen (jährlich im Frühjahr und Herbst) wurden nun durch Fachmessen ersetzt. Dies war ein Schritt, den westliche Messestandorte bereits Jahrzehnte zuvor vollzogen hatten. Durch diesen Schritt und die Verlegung der Messe vom alten Messegelände zur am 12. April 1996 eröffneten modernen neuen Messe am Stadtrand, die nach einem Masterplan des Architekturbüros GMP gebaut wurde, konnte die Leipziger Messe im Wettbewerb mit den Standorten Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Berlin, München und Hannover bestehen. Der Bau des neuen Messegeländes in Leipzig war mit Kosten von 1,335 Mrd. DM (680 Millionen Euro) eines der größten Aufbauprojekte im Osten Deutschlands. Seit dem Neustart nach der Wende sind in Leipzig mehr als 30 Fach- und Publikumsmessen entstanden. Insbesondere mit der Automesse Auto Mobil International und der Buchmesse sowie zwischen 2002 und 2008 mit der Computerspielmesse Games Convention gelangen der Messe in jüngerer Vergangenheit einige Erfolge. Dazu gehören ebenfalls Weltleitmesse und Weltkongress OTWorld (Orthopädie + Reha-Technik) sowie die Industriemessen Z/intec der Zuliefer- und Maschinenbaubranche. Die Leipziger Messe GmbH mit ihren etwa 35 Messen im Jahr gehört mittlerweile wieder zu den zehn größten Messegesellschaften in Deutschland. Hinsichtlich der Ausstellungskapazität liegt sie auf Platz 8. Jährlich generiert die Messe als Instrument der Wirtschaftsförderung Produktionswirkungen - Umweg Rendite von 567,7 Millionen Euro. Trotz dieser Summen bleibt das Kerngeschäft, rein monetär betrachtet, für die Gesellschafter, die Stadt Leipzig und das Land Sachsen, ein Zuschussgeschäft. Unterstützende Impulse für die Unternehmensentwicklung verspricht man sich von strategischen Kooperationen mit Veranstaltern und Verbänden im Ausland. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Märkten in Osteuropa und Asien. Beispiele für das Auslandsengagement sind eigene Messen wie die Denkmal Moskau, ebenso die Fachmesse für Waldbrandschutz Forest Fire Fighting and Protection Siberia in Nowosibirsk sowie der Orthopädietechnik-Weltkongress der International Society for Prosthetics and Orthotics (ISPO) 2013 in Hyderabad (Indien). Auch an anderen Standorten in Deutschland tritt die Leipziger Messe GmbH als Veranstalterin auf, so in München mit der internationalen Kosmetikindustrie-Fachmesse CosmeticBusiness. Daneben baut die Leipziger Messe das Kongress- sowie das Geschäft mit Events und Gastveranstaltungen aus. So fanden auf dem Leipziger Messegelände 2013 rund 100 Kongresse statt sowie Großveranstaltungen wie die WorldSkills, der SPD-Parteitag, die Porsche-Jahreshauptversammlung und der Boxkampf von Robert Stieglitz zur Titelverteidigung als WBO-Weltmeister.

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